Käte Hamburger

Käte Hamburger

Käte Hamburger war die erste Frau, die in der deutschen Literaturwissenschaft habilitiert wurde. Ihr Schaffen zeichnet sich durch eine große methodische und thematische Vielfalt aus. Hamburgers bekannteste Schrift, „Die Logik der Dichtung“, avancierte zum Standardwerk der Erzählforschung.

Käte Hamburger ist immer wieder über die Grenzen ihres Faches hinausgegangen und beschäftigte sich interdisziplinär auch mit philosophischen und ästhetischen Fragestellungen, den Beziehungen zwischen Literatur und Ethik, dem zeitgenössischen Theater und dem neuen Medium Film. Als überzeugte Humanistin und Aufklärerin trat sie der Enthumanisierung der abendländischen Kultur sowie einer politischen Mystifizierung des „deutschen Schicksals“ mit sachlichen, historisch fundierten und zugleich filigranen Analysen entgegen.

Deshalb haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Gutachtergremium Käte Hamburger zur Namenspatronin der Kollegs für Geisteswissenschaftliche Forschung gewählt.

Ihr Leben

Käte Hamburger wurde am 1896 als Tochter jüdischer Eltern in Hamburg geboren. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte sowie Kunstgeschichte in Berlin und München. 1922 promovierte sie an der Universität München mit einer Arbeit zu “Schillers Analyse des Menschen als Grundlegung seiner Kultur- und Geschichtsphilosophie” im Fach Philosophie.

In den Folgejahren arbeitete Käte Hamburger trotz antisemitischer Widerstände und publizierte Studien v.a. zur Romantik und zu Thomas Mann. Schließlich musste sie Deutschland verlassen und emigrierte mit Hilfe schwedischer Freunde nach Göteborg.

In den 22 Jahren ihres Exils entfaltete Käte Hamburger eine rege journalistische Tätigkeit und publizierte in schwedischer Sprache zahlreiche literaturwissenschaftliche Studien u. a. über Tolstoi, Schiller und Thomas Mann. 1956 kehrte sie nach Deutschland zurück und habilitierte 1957 mit der Arbeit “Logik der Dichtung” an der Technischen Hochschule Stuttgart. Da sie nach dem bundesdeutschen Beamtengesetz für eine ordentliche Professur zu alt war, erhielt sie 1959 in Stuttgart eine außerplanmäßige Professur.

Hamburger lehrte bis zu ihrem 80. Lebensjahr. Zu ihren letzten Publikationen zählen „Das Mitleid“ (1985) und „Ibsens Drama in seiner Zeit“ (1989). Sie wurde mit dem Schiller-Gedächtnispreis (1989), mit der Ehrendoktorwürde der Universitäten Siegen (1980) und Göttingen (1989), mit dem Großen Bundesverdienstkreuz (1966) sowie der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (1984) und der Stuttgarter Bürgermedaille ausgezeichnet. Sie verstarb 1992 im Alter von 96 Jahren.